Freitragende Treppe — Grundriss-Variante
Kategorie: Grundriss-Variante
Stufen ohne sichtbare Wangen oder Holme — wie eine schwebende Treppe wirklich trägt, wo die Grenzen liegen und worauf es im Bestand ankommt.
Definition
Eine freitragende Treppe verzichtet auf sichtbare Wangen, Holme oder Mittelträger und wirkt dadurch optisch schwebend; gebräuchliche Synonyme sind schwebende Treppe oder freischwebende Treppe. Die Last wird über verdeckte Tragelemente abgeleitet, etwa über in die Wand eingespannte Kragarme, durchgehende Tragbolzen oder ein statisch wirksames Geländer. Im Wohnbau ist die Bauweise vor allem bei offenen Wohnlandschaften, Galerien und repräsentativen Eingangsbereichen gefragt, weil sie Sichtachsen frei hält, Tageslicht durch den Treppenraum führt und den Raum unter der Treppe nutzbar lässt.
Einordnung & Relevanz
Der Begriff ist ein Sammelbegriff für mehrere konstruktive Lösungen, die alle dasselbe optische Ziel verfolgen — und gerade deshalb leicht verwechselt werden. Die Kragarmtreppe spannt jede Trittstufe einseitig in eine massive Stahlbeton- oder Mauerwerkswand ein; ohne ausreichend tragfähige Wand mit definierter Mindeststärke ist sie nicht ausführbar. Die Hängetreppe arbeitet umgekehrt mit Zugstangen oder einem zugbeanspruchten Geländer, das die Stufen nach oben an die Decke abfängt. Die Bolzentreppe nutzt eine Reihe von Stahlbolzen zwischen den Stufen, die Druck- und Zugkräfte abwechselnd zur Wand und zum Geländer leiten. Allen Varianten gemeinsam ist: Es gibt keine durchlaufende Wange, jede Stufe wirkt einzeln tragend, und das Schwingungsverhalten muss schon in der Planung mitgedacht werden.
Normen & Vorgaben
Für freitragende Konstruktionen gilt die DIN 18065 als Grundlage für Mindestbreiten, Steigungsverhältnis, Geländerhöhe und Auftrittsmaße. Weil die tragenden Bauteile häufig verdeckt liegen und nicht zu den klassisch geregelten Treppenformen gehören, verlangen Bauaufsichtsbehörden für viele Systeme einen statischen Einzelnachweis, eine bauaufsichtliche Zulassung oder eine Europäische Technische Bewertung (ETA). Erforderlich ist zudem eine ausreichend tragfähige Wand- oder Deckenkonstruktion am Einbauort; im Bestand prüfen wir das vorab durch eine Sondage des Putzes oder durch Bohrkernproben. Holzart und Holzfeuchte spielen für die Verformung der Stufen ebenfalls eine Rolle, weshalb wir nur fachgerecht getrocknetes Material und möglichst stehende Jahresringe verwenden.
Definition
Wir bei HTS planen jede freitragende Treppe als Einzelanfertigung und stimmen Statik, Material und Anschlusspunkte vor Ort ab. Im ersten Schritt prüfen wir Wandsubstanz, Deckenöffnung und die Lage der Tragbolzen oder Kragarme. Üblich sind bei uns Massivholzstufen aus Eiche, Buche, Räuchereiche oder Nussbaum mit Stärken zwischen 50 und 70 mm, je nach Spannweite und Stufenbreite. Die Stahlteile fertigen wir mit unseren Partnerschlossern, lackiert oder pulverbeschichtet, und kombinieren sie mit Geländern aus Edelstahl, Stahl oder Verbundsicherheitsglas. Schwingungen und Trittschall fangen wir über elastische Lager und gedämmte Befestigungen ab. Für die Oberfläche bevorzugen wir Hartwachsöl, alternativ Lack oder gebürstete Hölzer. Komplexe Wendelungen lösen wir nach individueller Statik — auch im Bestand, sofern die Deckenöffnung sauber freigelegt werden kann.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Kragarmtreppe (Kragstufentreppe), Bolzentreppe, Hängetreppe, Tragbolzen, Bauaufsichtliche Zulassung, Europäische Technische Bewertung (ETA).
