Ölen — Oberfläche & Schutz
Kategorie: Oberfläche & Schutz
Offenporige Oberfläche, die das Holz atmen lässt – warum geölte Treppenstufen partiell ausbesserbar sind und wo ihre Grenzen liegen.
Definition
Beim Ölen wird ein flüssiges, meist auf pflanzlicher Basis hergestelltes Pflegemittel auf das rohe Holz aufgebracht und dringt in die obersten Faserschichten ein. Anders als ein Lack härtet das Öl in den Poren aus, ohne einen geschlossenen Film auf der Oberfläche zu bilden. Synonyme im Alltag sind Naturölfinish und geölte Oberfläche; in Kombination mit Wachsanteilen spricht man vom Hartwachsöl. Die Maserung bleibt sichtbar, der Farbton wird in der Regel etwas tiefer und wärmer.
HTS-Praxis
Die Entscheidung für eine geölte Treppe fällt häufig aus haptischen und optischen Gründen: Eine Stufe in geöltem Eichenholz fühlt sich seidig-warm an und wirkt deutlich natürlicher als eine hochglänzend lackierte Fläche. Praktisch wichtig ist die Reparaturfähigkeit – kleinere Kratzer oder matte Stellen lassen sich punktuell anschleifen und mit demselben Öl nachbehandeln, ohne die komplette Trittstufe abschleifen zu müssen. Das ist gegenüber einem flächig versiegelten Lack ein klarer Vorteil. Im Gegenzug ist die Schichtdicke deutlich geringer: Während für strapazierfähige Parkettlacke auf der Lauffläche etwa 80 Mikrometer Aufbau sinnvoll sind, liegt das Öl praktisch in der Holzoberfläche selbst.
Normen & Vorgaben
Für Treppen gelten Anforderungen an Abriebfestigkeit und Rutschhemmung – beide werden auch bei geölten Flächen geprüft. Holzqualitäten unter Beschichtungen sind in DIN 68368 beschrieben; sie unterscheidet zwischen deckenden und nicht deckenden Anstrichen, weil bei klarem Auftrag die Optik des Holzes sichtbar bleibt und entsprechend höhere Sortier-Anforderungen entstehen. Konkrete Stufenmaße, Geländerhöhen und Auftrittstiefen stehen dagegen in der DIN 18065. Eine bauaufsichtliche Vorgabe, ob geölt oder lackiert wird, gibt es im privaten Wohnbau nicht.
HTS-Praxis
Wir setzen Öle bevorzugt bei Massivholzstufen aus Eiche, Esche und Räuchereiche ein, in vielen Wohnungen auch in Kombination mit gebürsteten Oberflächen. Vor dem Auftrag wird die Stufe sauber geschliffen, üblich sind Endkörnungen zwischen 120 und 150. Aufgetragen wird in dünnen Schichten mit Pad oder Pinsel, der Überstand nach kurzer Einwirkzeit abgenommen, anschließend zwischengeschliffen und ein zweites Mal geölt. Trockenzeiten zwischen den Schichten halten wir konsequent ein, weil aufeinandergelegte Schichten sonst nicht durchhärten. Übertragbar ist das Verfahren auch auf Handlauf, Setzstufe und Wange, sodass die gesamte Treppe denselben Charakter behält. Produkte wie Hartwachsöl-Systeme bekannter Hersteller liefern hier reproduzierbare Ergebnisse.
Einordnung & Relevanz
Verwandte Begriffe: Hartwachsöl, Lackieren, Wachsen, Beizen, Bürsten, Rutschhemmung.
HTS-Praxis
Grenzen und Pflege: Eine geölte Stufe ist weniger widerstandsfähig gegen stehende Nässe und stark schmutzende Beanspruchung als ein hochwertiger Parkettlack. Im Bereich der Trittfläche kann die Rutschhemmung nachlassen, wenn Pflegemittel falsch dosiert werden – wir empfehlen daher Pflegeprodukte aus demselben System wie das Erstöl. Geölte Treppen sollten ein- bis zweimal pro Jahr aufgefrischt werden, je nach Nutzungsintensität. Wer Schuhe direkt im Eingang ablegt und die Treppe regelmäßig nebelfeucht wischt, kommt mit deutlich längeren Intervallen aus.
