Wendelstufe — Bauteil der Lauffläche
Kategorie: Bauteil der Lauffläche
Keilförmige Trittstufe im gewendelten Bereich — Auftrittsbreite an der Lauflinie mindestens 23 cm nach DIN 18065, Geometrie bestimmt den Gehkomfort.
Definition
Die Wendelstufe ist die keilförmig zugeschnittene Trittstufe im gewendelten Abschnitt einer Treppe. Ihre innere Kante — am Treppenauge oder an der Spindel — ist erheblich kürzer als die äußere Kante an der Wand oder Freiwange. Dieses Keilformat entsteht zwingend aus der Geometrie der Wendelung: Weil mehrere Stufen gemeinsam einen Richtungswechsel von 90, 180 oder mehr Grad vollziehen müssen, werden die gleichmäßig breiten Stufen einer geraden Treppe in fächerartig angeordnete Keilformen aufgelöst. Synonym wird die Wendelstufe auch als Keilstufe bezeichnet; beide Begriffe meinen dasselbe Bauteil.
Einordnung & Relevanz
Die Wendelstufe ist das zentrale Komfort-Bauteil jeder gewendelten Treppe, und die Qualität ihrer Geometrie entscheidet über den Gehkomfort des gesamten Laufs. Wer eine schlecht verzogene Wendeltreppe begeht, spürt sofort die Konsequenz: zu schmale Stufen innen zwingen dazu, den äußeren Rand zu suchen, der Schritt wird ungleichmäßig, und die Trittsicherheit leidet. Gut verzogene Wendelstufen verteilen die Stufenbreite so, dass der Auftritt an der Lauflinie annähernd konstant bleibt und sich dem Gehrhythmus einer geraden Treppe annähert. DIN 18065 schreibt für Wendelstufen vor, dass die Auftrittbreite an der Lauflinie mindestens 23 Zentimeter betragen muss. Die Lauflinie liegt bei einläufigen Treppen üblicherweise 50 Zentimeter von der Innenkante des Treppenlaufs entfernt, bei breiten Läufen weiter außen entsprechend der nutzbaren Laufbreite. Der innerste Bereich der Wendelstufe — der sogenannte Spickel — läuft zur Treppenauge-Seite hin auf eine sehr geringe Breite zusammen. Er wird beim normalen Begehen nicht betreten, muss jedoch konstruktiv sicher tragen und darf keine Sollbruchstelle bilden.
Normen & Vorgaben
Der rechnerische oder graphische Verziehvorgang bestimmt, welche Stufenbreite jede einzelne Wendelstufe an jeder Position erhält. DIN 18065 legt die Mindestanforderungen für den Auftritt an der Lauflinie fest, macht aber keine Vorgaben zur Verteilungsmethode selbst — hier liegt der Gestaltungsspielraum des Planers und Herstellers.
HTS-Praxis
Bei HTS berechnen wir Wendelstufen nach dem rechnerischen Verziehverfahren oder, bei einfacheren Grundrissformen, nach dem graphischen Verziehen. Beide Methoden zielen darauf, den Auftritt an der Lauflinie konstant zu halten, während die Stufenbreiten innen und außen nach geometrischen Regeln verteilt werden. Die Lage der Stichlinie — der gedachten Linie, nach der die Stufenverteilung aufgeteilt wird — legen wir gemeinsam mit dem Auftraggeber fest. Eine weiter außen liegende Stichlinie ergibt breitere Innenauftritte auf Kosten einer stärkeren Verjüngung an der Außenkante; eine weiter innen liegende Linie führt zu gleichmäßigeren Außenbreiten, aber schmaleren Innenbereichen. Wendelstufen fertigen wir aus Massivholz oder Leimholz; bei kleinen Innendurchmessern mit geschwungenem Zuschnitt an der Innenkante. Der Spickel wird bei Bedarf durch einen eingeleimten Keil aus demselben Holz verstärkt, damit er unter Last nicht splittert. Die Verbindung zur Wange erfolgt entweder über eine eingestemmte Nut oder — bei aufgesattelter Bauart — über Auflagerzähne, die die Wendelstufe von unten formschlüssig tragen.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Verziehen gewendelter Treppen, Keilstufe (Wendelstufe), Auftritt (Treppenauftritt), Auftrittbreite, Lauflinie, Wendeltreppe.
