Kirschbaum — Werkstoff im Treppenbau
Kategorie: Werkstoff im Treppenbau
Warum die rötliche Wildkirsche im Wohnraum nachdunkelt, wo ihre Grenzen liegen und wie HTS Stufen, Handläufe und Wangen daraus fertigt.
Definition
Kirschbaum bezeichnet das Holz der europäischen Vogelkirsche (Prunus avium) und gilt im Treppenbau als edles heimisches Laubholz für gehobene Innentreppen. Der Werkstoff zeigt einen warmen, rötlich-braunen Grundton mit feiner, gleichmäßiger Maserung und unregelmäßig verteilten kleinen Markstrahlen, die im geölten Zustand seidig schimmern. Synonym wird das Holz als Wildkirsche oder schlicht Kirsche bezeichnet, gelegentlich auch als Süßkirsche. Mit einer Brinellhärte von rund 29 N/mm² zählt Kirschbaum zu den mittelharten heimischen Laubhölzern und liegt damit zwischen weichem Nadelholz und den klassischen Wohnraumhölzern wie Buche oder Eiche.
Einordnung & Relevanz
In der Praxis wählen Bauherren Kirschbaum vor allem dann, wenn die Treppe ein gestalterisches Schwergewicht im Wohnraum bilden soll und ein warmer, lebendiger Farbcharakter gewünscht ist. Das Holz altert charakteristisch nach: Unter Lichteinfluss vertieft sich der Farbton innerhalb weniger Monate von hellem Rotbraun zu einem satten, warmen Bernsteinton. Diese natürliche Patina wird häufig als gestalterisches Argument geschätzt, muss aber im Vorfeld eingeplant werden, weil abgedeckte Stellen länger heller bleiben. Im Vergleich zu härteren Hölzern wie Eiche oder Esche ist Kirsche etwas druck- und kratzempfindlicher und eignet sich daher eher für repräsentative Wohnbereiche, Galerien oder Bürotreppen als für stark frequentierte Verbindungs- oder Nebentreppen mit hohem Schuhverkehr.
HTS verarbeitet Kirschbaum überwiegend als Massivholzstufe oder als hochwertige Leimholzplatte für Trittstufen, Setzstufen und Handläufe. Wir wählen die Bohlen so aus, dass Splint- und Kernholzanteile farblich harmonieren, da Splintholz deutlich heller ausfällt und im fertigen Lauf sonst fleckig wirkt. Vor der Bearbeitung wird das Holz auf eine Ausgleichsfeuchte für beheizte Innenräume gebracht, um späteres Schwinden, Schüsseln und Fugenbildung zu reduzieren. Als Oberfläche bevorzugen wir offenporige Hartwachsöle oder klare Naturöle, die den rötlichen Charakter unterstreichen, ohne ihn künstlich zu vergilben; pigmentierte Lacke kommen nur auf ausdrücklichen Wunsch zum Einsatz. Kombinationen mit weißen Wangen, Edelstahlgeländern oder dezenter Glasfüllung sind möglich; auch eine reine Holzkonstruktion mit Geländerstäben aus Massivkirsche fertigen wir auf Maß. Bei gewendelten Läufen achten wir darauf, dass die Maserungsbilder benachbarter Stufen ruhig zueinander stehen, damit der Eindruck einer durchgehenden, hochwertigen Holzfläche entsteht. Auch passende Setzstufen und Sockelleisten aus demselben Stamm sind möglich, sofern die Materialdisposition es zulässt.
Pflege & Hinweise
Im Alltag profitiert Kirschbaum von einer regelmäßigen Pflege mit dem zur Erstbehandlung passenden Öl oder Wachs, idealerweise im Halbjahresrhythmus. Direkte, dauerhafte Sonneneinstrahlung beschleunigt das Nachdunkeln stark und kann zu sichtbaren Helligkeitsunterschieden führen, wenn Teppiche oder Möbel den Lauf teilweise abdecken. Punktuelle Druckstellen durch harte Absätze oder umstürzende Gegenstände bleiben sichtbarer als bei härteren Hölzern wie Eiche. Eine spätere Renovierung durch Anschleifen und Neuölen ist gut möglich; tiefe Kerben sollten vorab fachgerecht ausgespänt werden, damit der gewachsene Farbverlauf der Treppe erhalten bleibt.
Hinweise
Verwandte Begriffe rund um Kirschbaum als Treppenholz: Eiche, Nussbaum, Buche, Brinellhärte, Massivholzstufe, Hartwachsöl.
