Spindeltreppe — Grundriss-Variante
Kategorie: Grundriss-Variante
Stufen kreisförmig um eine Mittelsäule — wie die Spindeltreppe auf kleinstem Grundriss beeindruckende Höhen überwindet und wo ihre Grenzen liegen.
Einordnung & Relevanz
Die Spindeltreppe ist eine gewendelte Treppenform, bei der sämtliche Stufen um eine zentrale vertikale Säule, die sogenannte Spindel, angeordnet sind. Die Innenkante jeder Stufe endet unmittelbar an dieser Mittelsäule, die Außenkante beschreibt den Umfang der Treppe. Dadurch ergibt sich ein vollständig geschlossenes Spiralprinzip ohne freien Mittelraum — das Unterscheidungsmerkmal zur Wendeltreppe mit Treppenauge, die einen offenen Kern aufweist.
Der wesentliche Vorteil der Spindeltreppe liegt im geringen Platzbedarf: Schon ab etwa 120 cm Gesamtdurchmesser lässt sich eine Treppe realisieren, die eine volle Geschosshöhe von 2,50–3,00 m überwindet. Damit eignet sie sich besonders für Galerien, Loftebenen, Dachgeschossausbauten und als Nebentreppe in bestehenden Gebäuden, wo nachträgliche Deckenöffnungen möglichst klein gehalten werden sollen. Gegenüber einer Raumspartreppe bietet sie den Vorteil des kontinuierlichen, gleichmäßigen Treppengangs — jede Stufe ist gleich geformt, es gibt keinen Wechselrhythmus. Verglichen mit der Harfentreppe oder der Bogentreppe braucht sie keine seitliche Tragstruktur, weil die Spindel selbst die Hauptlast übernimmt.
DIN 18065 schränkt die Verwendung der Spindeltreppe als notwendige Treppe deutlich ein. An der Lauflinie, die üblicherweise 20 cm von der Außenkante gemessen wird, muss der Auftritt mindestens 23 cm betragen. Bei sehr kleinen Durchmessern unter 130–140 cm lässt sich dieses Maß geometrisch nicht mehr einhalten, ohne entweder die Stufenzahl stark zu erhöhen oder die Steigung unzulässig groß werden zu lassen. Für Wohngebäude mit mehr als zwei Wohneinheiten sowie für Fluchtwege sind Spindeltreppen als notwendige Treppe grundsätzlich nicht zugelassen. Im Einfamilienhaus und Zweifamilienhaus ist eine Spindeltreppe als Nebentreppe oder bei ausreichender Dimensionierung als ergänzende Erschließung zulässig, sofern eine normgerechte Haupttreppe vorhanden ist.
Normen & Vorgaben
Bei HTS fertigen wir Spindeltreppen ab 150 cm Außendurchmesser aus Massivholz oder in Kombination mit einem Stahlspindelrohr als Mittelelement. Die Stufen werden in Eiche, Buche oder Esche als vollflächige Keilstufen gefertigt und mit der Spindel über eingestemmte Zapfen oder Klemmkonstruktionen verbunden. Der Handlauf verläuft spiralförmig an der Außenseite, gestützt von gleichmäßig verteilten Geländerstäben aus Edelstahl oder Holz. Typisch sind 13 bis 16 Stufen pro Geschosshöhe bei 360 Grad Drehung. Wir empfehlen für Spindeltreppen, die täglich mehrfach begangen werden, einen Mindestdurchmesser von 160 cm — darunter wird der Auftritt an der Lauflinie eng und der Einbau eines normgerechten Handlaufs geometrisch aufwendig. Auf Wunsch fertigen wir auch zweiläufige Spindelkonstruktionen, bei denen zwei gegenläufige Wendelungen eine gemeinsame Spindel teilen. Die Oberfläche der Holzstufen erhält bei uns standardmäßig eine Hartwachsöl-Behandlung, die das Holzbild erhält und eine strapazierfähige, leicht nachpflegbare Schutzschicht bildet. Vor der Fertigung nehmen wir das Aufmaß der Deckenöffnung auf, da die Kreisgeometrie der Spindeltreppe genaue Kenntnis des verfügbaren Durchmessers in jeder Höhenlage — einschließlich Unterzügen und Dachschrägen — erfordert, bevor die Konstruktionsmaße festgelegt werden können.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Wendeltreppe, Harfentreppe, Bogentreppe, Lauflinie, Wendelstufe, Spindelrohr.
