Wangen — Fachsprache im Detail
Kategorie: Fachsprache im Detail
Wangen tragen die Stufen, übernehmen die Last und prägen jede klassische Holztreppe — Maße, Bauarten und Fertigung im Überblick.
Definition
Wangen sind die seitlichen, tragenden Bauteile einer Holztreppe. Sie nehmen die Stufen an ihren Enden auf, begrenzen den Lauf seitlich und leiten alle einwirkenden Lasten in die Auflager an Decke, Podest oder Wand ab. Synonym werden je nach Lage und Bauweise Wandwange, Freiwange oder Lichtwange verwendet, im Sonderfall auch Blendwange als nicht tragende Vorsatzschale. Statisch entspricht eine Wangentreppe einem geneigten Träger auf zwei Stützen, weshalb Querschnitt und Höhe der Wangen direkt über die Tragfähigkeit der gesamten Konstruktion entscheiden.
Einordnung & Relevanz
In der Praxis sind Wangen das prägende Konstruktionsmerkmal klassischer Wangentreppen — im Unterschied zur Holmtreppe, bei der die Stufen auf einem oder zwei Tragbalken aufgesattelt liegen. Nach der Verbindung zur Stufe entstehen mehrere Bauarten: gestemmt (Tritt- und Setzstufen 15 bis 20 mm tief im Wangenkörper versenkt), halbgestemmt, eingeschnitten sowie eingeschoben. Über die gesamte Lauflänge zieht eine Spannschraube von 10 bis 13 mm Durchmesser die beiden Wangen mit den dazwischenliegenden Stufen zu einem räumlichen Tragwerk zusammen; bei Läufen bis 18 Steigungen reichen meist drei bis vier solcher Schrauben. In gewendelten Bereichen müssen die Spannschrauben gekröpft werden, damit die Muttern rechtwinklig zur Freiwange liegen. Die rechte Holzseite zeigt jeweils nach außen, weil die Freiwange beidseitig sichtbar ist, die Wandwange nur einseitig.
Normen & Vorgaben
Maßgeblich für die Tragfähigkeit sind Wangenhöhe und Wangendicke. Für gestemmte Treppen bis 4,75 m Stützweite und maximal 18 Steigungen gelten als Mindestmaße bei Ausführung mit Setzstufen 45 mm Dicke und 275 mm Höhe, ohne Setzstufen 50 mm und 260 mm. Bei eingeschobenen Treppen kommen 75 mm Dicke und 210 mm Höhe zur Anwendung. Das obere und untere Wangenbesteck — der Holzanteil oberhalb und unterhalb der Stufenkanten — muss jeweils mindestens 40 mm betragen, damit sich die Lasten gleichmäßig auf alle Treppenteile verteilen können. DIN 18065 regelt zusätzlich Lauflinie und Mindestmaße der fertigen Treppe.
HTS-Praxis
Wir fertigen Wangen überwiegend aus Eiche, Buche, Esche oder Lärche, je nach Wunschoptik auch aus Leimholz für besonders formstabile, breite Querschnitte. Massive Bohlen werden vor dem Verleimen mittig aufgetrennt und neu zusammengefügt, damit sich das Bauteil im Gebrauch nicht verzieht. Nuten für Tritt- und Setzstufen frästen wir früher von Hand mit Oberfräse und Schlitten — heute übernimmt das CNC-Bearbeitungszentrum die Stufentaschen, die Außenkontur sowie die Bohrungen für die Geländerstäbe in einem einzigen Aufspannvorgang. Gekrümmte Wangen für gewendelte Läufe entstehen bei uns durch Schichtverleimung von Furnier- oder Sperrholzlagen auf einer raumhohen Vorrichtung mit pneumatischer Pressung oder im Vakuumsack. Standardstärken liegen je nach Treppentyp und Stufenstärke meist zwischen 45 und 60 mm; bei großen Stützweiten oder repräsentativen Galerietreppen entsprechend mehr.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Wangentreppe (Oberbegriff), Wandwange, Freiwange (Lichtwange), Wangenbesteck, Blendwange, Krümmling.
