Wandwange — Fachsprache im Detail
Kategorie: Fachsprache im Detail
Die Wandwange sitzt an der Treppenhauswand und prägt Statik, Schallschutz und Optik der Wangentreppe – worauf es bei Material und Anschluss ankommt.
Definition
Die Wandwange ist die seitliche Wange einer Wangentreppe, die zur Treppenhauswand zeigt und auf dieser Seite die Stufen aufnimmt. Sie bildet das Gegenstück zur Freiwange auf der offenen Seite des Treppenlaufs und ist nur einseitig sichtbar. Üblicherweise liegt sie direkt an der Wand an oder steht mit wenigen Millimetern Luft davor, sodass Putz, Tapete oder eine spätere Wandverkleidung sauber anschließen können. Synonym wird im Werkstattalltag manchmal auch von der wandseitigen Wange oder schlicht von der inneren Wange gesprochen.
Einordnung & Relevanz
Für die Konstruktion einer Wangentreppe ist die Wandwange einer von zwei tragenden Längsträgern: Tritt- und Setzstufen werden 15 bis 20 mm tief eingestemmt, eingeschoben oder eingefräst und über Spannschrauben mit der gegenüberliegenden Wange zu einem räumlichen Tragwerk verspannt. Da sie nur von einer Seite gesehen wird, gelten andere Anforderungen an Holzauswahl, Astbild und Oberfläche als bei der beidseitig sichtbaren Freiwange. Die rechte Holzseite zeigt nach außen, die innere Seite kann optisch zurücktreten und wird meist nur grob gehobelt. Bei gewendelten Treppen ist die Wandwange im Bereich der Kurve geschwungen, muss also häufig in der Breite aus mehreren Bohlen verleimt und nach einem eigenen Anriss mit Winkelbrett zugeschnitten werden. Auch bei modernen Sonderformen mit nur einer Wange an der Wandseite – etwa Polygontreppen mit aufgebolzten Stufen – übernimmt sie einen großen Teil der Last und erfordert dann meist einen rechnerischen Standsicherheitsnachweis.
Normen & Vorgaben
Normativ greifen für Wangenstärken, Stufeneinbindung und das zugehörige Geländer die Vorgaben der DIN 18065 sowie die Bauordnungen der Länder. Daraus ergeben sich Mindeststärken für Wangen und Stufen, Einstemmtiefen und der notwendige Abstand der Tritt- und Setzstufenkanten zur oberen und unteren Wangenkante. Die genauen Maße werden über Bemessungstabellen oder Nachweise bestimmt – die Wandwange ist Teil dieser Statik und nicht beliebig schwächbar oder ausklinkbar.
HTS-Praxis
In der HTS-Werkstatt fertigen wir Wandwangen aus durchgehenden Bohlen oder verleimten Lamellen aus Eiche, Buche, Esche oder Ahorn, je nach Stilbild typisch zwischen 50 und 60 mm stark und 250 bis 320 mm hoch. Die Stufenausnehmungen werden nach Anriss CNC-gefräst, Einstemmtiefen liegen im üblichen Rahmen von 15 bis 20 mm. Beim Einbau achten wir bewusst auf eine entkoppelte Auflage, damit die Treppe später keine Schallbrücken zur Wand bildet – schmale Filz- oder Elastomerstreifen, sauber gesetzte Spannschrauben und ein Versatz von wenigen Millimetern zur Putzkante gehören zum Standard. Oberflächen werden bei uns überwiegend geölt oder mit Hartwachsöl behandelt; Lack ist auf Wunsch möglich. Auf der Wandseite genügt in der Regel ein leichter Schliff, weil dieser Bereich nicht im Blickfeld steht. Eine spätere Wandbekleidung oder ein Wandhandlauf lassen sich sauber planen, wenn der Wandanschluss bereits in der Werkplanung mit Detailmaß berücksichtigt wird.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Freiwange (Lichtwange), Wangen, Wangentreppe (Oberbegriff), Eingestemmte Wangentreppe (Klassische Bauart), Spannschraube (Treppenbau), Trittschallschutz.
