Spannschraube (Treppenbau) — Fachsprache im Detail
Kategorie: Fachsprache im Detail
Zugverbindung mit Vorspannung – warum drei bis vier Schrauben darüber entscheiden, ob eine Holztreppe nach Jahren noch knarrfrei steht.
Einordnung & Relevanz
Die Spannschraube, im Gewerk auch Treppenschraube genannt, ist eine vorgespannte Zugverbindung, die Trittstufen und Setzstufen dauerhaft in den Aussparungen der Wangen hält. Sie wird quer durch beide Wangen geführt oder als kürzere Variante in die Stufenenden eingelassen. Über Mutter und Rosette wird die Verschraubung unter Zug gesetzt, wodurch Stufe und Wange kraftschlüssig zu einem räumlichen Tragwerk verbunden werden. Ohne diese Vorspannung würde sich die Leimfuge zwischen Stufenende und Wangenwand mit den Jahren öffnen, das Holz arbeiten und die Treppe knarren.
Normen & Vorgaben
Im Wangenbau übernimmt die Spannschraube zwei Aufgaben gleichzeitig: Sie hält die geleimten Stufenenden in den gestemmten oder eingefrästen Nuten unter konstanter Pressung und sie verteilt die Verkehrslasten ueber alle Treppenteile, statt sie nur auf eine Wange wirken zu lassen. Üblich sind Schraubenbolzen, deren Durchmesser zwischen 10 und 13 Millimetern liegt, häufig als Ausführung M10 mit metrischem Gewinde, Sechskantkopf, Unterlegscheibe und Sechskantmutter. Bei Treppen bis etwa 18 Steigungen ohne Zwischenpodest reichen meist drei oder vier Schrauben, sitzend in der Wangenmitte unterhalb des äußersten Trittstufenniveaus. Als Faustregel gilt, dass der Abstand g zwischen zwei Schrauben das Doppelte der Laufbreite L nicht überschreitet, mit jeweils einer Schraube nahe Antritt, Zwischenpodest und Austritt. Bei dreiläufigen Anlagen mit mehreren Podesten erhöht sich die Anzahl entsprechend, weil jeder Lastabschnitt sicher in den Wangenkörper eingebunden werden muss. Eine zu weit auseinandergesetzte Schraubenlage führt zu schwingenden Stufen und sichtbaren Fugen.
HTS-Praxis
In unserer Werkstatt fertigen wir die Bohrungen für die Spannschrauben CNC-gesteuert auf Wange und Stufenende ab, sodass Mutter und Rosette plan in der Außenseite der Freiwange sitzen. An der Wandwange genügt eine versenkte Mutter, an der sichtbaren Freiwange wird sie mit einer eingedrehten Rosette in passender Holzart abgedeckt – bei Eiche-Treppen mit einer Eichenrosette, bei Buche analog. Bei gewendelten Läufen kröpfen wir die Schrauben so, dass sie parallel zur Auftrittsvorderkante laufen und die Mutter rechtwinklig zur Freiwange anliegt; nur so zieht die Vorspannung sauber, ohne das Gewinde einseitig zu belasten. Bei aufgesattelten Treppen mit Zahnwange setzen wir die M10 als Querverstrebung im Kammbereich, bei größeren Spannweiten ergänzt durch eine Kropfschraube, die auf der einen Seite ein Holzgewinde, auf der anderen ein metrisches Gewinde mit Sternmutter trägt. Vor der Endmontage werden die Stufen verleimt und die Schrauben in mehreren Durchgängen kreuzweise nachgezogen, damit die Fugen über die gesamte Stufenlänge gleichmäßig schließen. Nach einigen Wochen Klimagewöhnung im beheizten Haus prüfen wir bei Bedarf das Drehmoment nochmals nach und ziehen die Mutter in kleinen Schritten an.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Wangentreppe (Oberbegriff), Wangen, Eingestemmte Wangentreppe (Klassische Bauart), Aufgesattelte Wangentreppe, Trittstufe, Setzstufe.
