Setzstufe — Bauteil der Lauffläche
Kategorie: Bauteil der Lauffläche
Die Setzstufe schließt den Raum zwischen zwei Tritten — und entscheidet, ob eine Treppe offen-leicht oder geschlossen-klassisch wirkt.
Einordnung & Relevanz
Die Setzstufe ist das vertikale Bauteil zwischen zwei aufeinanderfolgenden Trittstufen. Sie schließt den Schacht unterhalb der Stufenvorderkante nach vorne ab und gibt der Treppe damit ihr geschlossenes Erscheinungsbild. Treppen mit Setzstufen werden als geschlossene Treppen bezeichnet, Treppen ohne Setzstufe als offene Treppen. Die Entscheidung für oder gegen eine Setzstufe ist eine der grundlegenden gestalterischen Weichenstellungen beim Treppenentwurf — und wird sowohl von Optik und Sicherheitsanforderungen als auch von Normvorgaben beeinflusst.
Normen & Vorgaben
Die Setzstufe hat keine statisch tragende Funktion. Die Last läuft über die Trittstufen und deren Auflager in Wange oder Holm, nicht durch die Setzstufe. Ihre Aufgaben sind sicherheits- und gestalttechnischer Natur: Sie verhindert, dass ein Fuß zwischen zwei Stufen durchrutscht, gibt der Treppe optische Schwere und Geschlossenheit und reduziert bei Treppenräumen mit viel Tageslicht den Durchblick unter den Lauf. In Haushalten mit kleinen Kindern oder älteren Bewohnern wird die Setzstufe häufig bewusst gewählt, auch wenn keine ausdrückliche Normpflicht besteht. Die Setzstufe steht in direkter Beziehung zur Steigung: Sie füllt exakt den senkrechten Abstand zwischen der Oberkante einer Trittstufe und dem Unterrand der darüberliegenden aus.
DIN 18065 schreibt zwar nicht vor, ob eine Treppe Setzstufen haben muss. Die Norm begrenzt aber die lichte Öffnung zwischen zwei Trittstufen bei offenen Treppen auf maximal 12 cm, um zu verhindern, dass Kinder den Kopf zwischen die Stufen stecken können. In der Praxis bedeutet das: Sehr flache Treppen mit geringer Steigung können ohne Setzstufe ausgeführt werden, weil der Abstand bereits normativ begrenzt ist. Steile Treppen mit größerer Stufenhöhe müssen hingegen genau geprüft werden, ob die lichte Öffnung ohne Setzstufe noch normkonform ist.
HTS-Praxis
Bei HTS fertigen wir Setzstufen aus demselben Holz wie die Trittstufen — die Materialstärke liegt üblicherweise bei 17 bis 22 mm. Die Verbindung zur Trittstufe erfolgt durch Vernutung oder verdeckte Verschraubung von hinten, damit keine Schraubenköpfe auf der Sichtfläche erscheinen. Bei eingestemmten Wangentreppen wird die Setzstufe zusätzlich in die Wangennuten eingezogen, was eine dauerhafte kraftschlüssige Verbindung ergibt und das Knarzen über Jahre hinweg verhindert. Gestalterisch bietet die Setzstufe eine Kontrastfläche: Sie kann im selben Holz wie die Trittstufe ausgeführt werden für ein ruhiges, einheitliches Bild, oder als bewusstes Kontrastmaterial — ein dunkleres Holz auf hellen Trittstufen setzt klare Linien, ein RAL-lackiertes Weiß auf Eichen-Trittstufen wirkt klassisch nordisch. Auch grafische Beschriftungen je Stufe oder Glas-Einlagen in die Setzstufe sind möglich und werden bei HTS auf Anfrage umgesetzt.
Ohne Setzstufe — also bei offenen Treppen — entsteht ein leichter, transparenter Raumeindruck, der bei aufgesattelten Wangentreppen, Holmtreppen oder Faltwerkttreppen bewusst eingesetzt wird. Dieser Eindruck hat allerdings konstruktive Konsequenzen: Der Treppentyp muss ohne die Setzstufe als aussteifendes Element auskommen, und die Norm-Öffnung von 12 cm muss eingehalten werden. Für Umbausituationen kann nachträglich eine Setzstufe eingebaut werden, wenn das Knarzen der Treppe oder veränderte Sicherheitsanforderungen das verlangen.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Trittstufe, Auftritt (Treppenauftritt), Steigung (Stufenhöhe), Ausladung, Offene Treppe, Beleuchtung (Treppenbeleuchtung).
