Aufgesattelte Wangentreppe — Grundriss-Variante
Kategorie: Grundriss-Variante
Stufen sitzen oben auf der Zahnwange statt eingestemmt — was das für Statik, Optik und die Wahl gegenüber gestemmten Bauarten bedeutet.
Definition
Bei der aufgesattelten Wangentreppe ruhen die Trittstufen oben auf der Wange, statt seitlich in Nuten eingestemmt zu sein. Die Wange ist dafür treppenförmig ausgeschnitten — wir und die Fachliteratur sprechen von einer Zahnwange. Jeder Zahn bildet ein waagerechtes Auflager für die Stufe und eine senkrechte Fläche, an der bei geschlossener Variante die Setzstufe sitzt. Die Stufe steht üblicherweise vorn und seitlich leicht über das Trittholz hinaus.
Einordnung & Relevanz
Damit sitzt diese Bauart konstruktiv zwischen klassischer Wangentreppe und Satteltreppe: die Wange trägt seitlich wie bei der eingestemmten Wangentreppe, das Auflagerprinzip ist aber aufgesattelt wie bei einer Holmtreppe. Im Vergleich zur eingestemmten Variante wirkt sie offener und plastischer, weil die Stufe sichtbar auf dem Holz liegt und nicht in der Wange verschwindet. Gegenüber der Mittelholmtreppe trägt die Last weiter außen, was bei breiteren Läufen die Durchbiegung gleichmäßiger verteilt. Aufgesattelte Wangentreppen lassen sich gerade, viertel- oder halbgewendelt ausführen und werden bei uns meist offen, also ohne Setzstufen, gebaut — das gibt Licht in den Treppenraum und betont die Zähne als Gestaltungselement.
Normen & Vorgaben
Für die Fertigung gelten dieselben Grundnormen wie für andere Holztreppen. Die Bemessung der Wangenhöhe und -dicke folgt DIN 1052; dieselbe Norm gibt — zusammen mit DIN 18334 — vor, dass die Holzfeuchte beim Einbau bei rund 9 Prozent liegen soll, damit die Treppe nach dem Einbau kaum noch arbeitet. Werden Trittstufen aus mehreren Bohlen verleimt, ist nach DIN EN 204 mindestens ein D3-Klebstoff einzusetzen. Die Vorderkante jeder Trittstufe wird mit einem Radius von etwa 4 bis 8 mm gebrochen, scharfe Kanten brechen sonst aus.
HTS-Praxis
Wir fertigen die Zahnwangen aus Massivholz oder Brettschichtholz. Typische Wangendicken liegen je nach Stützweite und Treppenlauf zwischen 55 und 95 mm, die abgewickelte Wangenhöhe folgt aus Bemessungstabellen — bei einer Stützweite um 4,00 m und 75 mm Wangendicke etwa 190 mm; die Zahnung selbst geht in diese Höhe nicht ein. Die Trittstufe ist mindestens 50 mm stark und wird verschraubt, aufgedübelt oder mit einer untergeschraubten Gratleiste gehalten — je nachdem, ob die Befestigung sichtbar bleiben darf. Bei breiteren oder gewendelten Läufen setzen wir eine Querverstrebung mit M10-Spannschraube zwischen den Zahnwangen, damit der Treppenkamm nicht aufgeht. Eiche, Buche und Esche sind die häufigsten Holzarten, für die Oberfläche meist Hartwachsöl.
Pflege & Hinweise
Verwandte Begriffe: Zahnwange, Wangentreppe (Oberbegriff), Eingestemmte Wangentreppe (Klassische Bauart), Mittelholmtreppe, Spannschraube (Treppenbau), Trittstufe.
Verwandte Begriffe
Die aufgesattelte Bauart hat zwei sichtbare Schwachstellen: die Verbindung Stufe-Wange muss die Querkräfte allein über Schrauben oder Dübel aufnehmen, weil keine Nut sie umfasst. Lockern sich diese Verbindungen, fängt die Treppe an zu knarren — wir ziehen Schrauben deshalb spätestens nach der ersten Heizperiode nach. Ausserdem sind die Zähne der Wange empfindlich gegen seitliches Anstossen und Putzwasser, die senkrechten Flächen brauchen denselben Oberflächenschutz wie die Trittfläche selbst.
