Wendelung — Fachsprache im Detail
Kategorie: Fachsprache im Detail
Wie ein Treppenlauf ohne Podest die Richtung wechselt – und warum der Spickeltritt symmetrisch zur Treppenachse liegen muss, damit der Schwung stimmt.
Definition
Die Wendelung ist der Bereich eines Treppenlaufs, in dem sich die Gehrichtung durch keilförmige Stufen ändert. Synonym dazu spricht man von gewendelten Abschnitten oder vom Wendelbereich. Eine Viertelwendelung dreht den Lauf um 90 Grad, eine Halbwendelung um 180 Grad, kleinere Drehungen wie 30 oder 45 Grad sind ebenfalls möglich. Der Übergang verläuft fließend über mehrere verzogene Stufen, deren Auftrittsbreiten zur Freiwange hin schmaler werden, während sie an der Wandwange ihre volle Breite behalten. Damit unterscheidet sich die Wendelung klar vom Podest, das die Richtung über eine ebene Fläche wechselt.
Einordnung & Relevanz
Wendelungen kommen immer dann zum Einsatz, wenn ein Treppenlauf in einem Geschoss eine Drehung benötigt, ohne dass ein Podest eingeplant wird. Gegenüber einer geraden Treppe mit Zwischenpodest spart der Wendelbereich spürbar Grundfläche und Bauhöhe – ein Vorteil, der bei knappen Wohnflächen oder schmalen Treppenhäusern entscheidend ist. Die Wendelung kann am Antritt, mittig im Lauf oder am Austritt liegen; daraus ergeben sich die geläufigen Lauftypen wie viertelgewendelt, halbgewendelt oder zweimal viertelgewendelt. Damit der Lauf bequem bleibt, wird die schmalste Stufe – der Spickeltritt – symmetrisch zur Treppenachse angeordnet. Liegt eine Stufenkante genau auf dieser Achse, entsteht in der Wangenabwicklung ein optischer Knick, der gestalterisch wie gehtechnisch unerwünscht ist. Vom Spickel bis zur folgenden geraden Stufe wachsen die Trittflächen entlang der Freiwange in gleichmäßigen Schritten an, sodass sich der Schwung beim Gehen ruhig liest.
Normen & Vorgaben
Die Mindest-Auftrittsbreite an der Lauflinie wird durch DIN 18065 begrenzt; an der Innenseite ergeben sich daraus die zulässigen Spickelbreiten. Maßgeblich sind die Bequemlichkeits- und Schrittmaßregel, die für jede verzogene Stufe ihren Anwendungsbereich behalten. Innerhalb von Wohnungen fallen die Anforderungen geringer aus als bei notwendigen Treppen, dennoch muss jede Wendelung eine sichere und gleichmäßige Stufenfolge aufweisen, die zur Lauflinie passt und ein zügiges Begehen erlaubt.
HTS-Praxis
Bei HTS planen wir Wendelungen rechnerisch oder graphisch, abhängig vom Grundriss, Drehwinkel und der Lage der Lauflinie. Die Auftritte an der Freiwange wachsen vom Spickeltritt aus stetig an, bis die erste unverzogene Stufe erreicht ist – dadurch erhalten Wangenabwicklung und Handlauf einen harmonischen Schwung. Wir prüfen den Verlauf an der Austragung, bevor die Trittstufen aus Eiche, Buche oder Esche im Leimholz-Format zugeschnitten werden. Die verzogenen Stufen werden in die Wangen eingestemmt, aufgesattelt oder auf Bolzen gelagert; bei engen Treppenaugen kommen Krümmlinge zum Einsatz, die den Handlauf um den Wendelbereich führen. Oberflächen wie Hartwachsöl oder Lack werden nach der Endmontage aufgebracht, damit die Stoßkanten zwischen den Wendelstufen geschützt bleiben. Auf Wunsch fertigen wir die Spickelstufen mit verstärkter Stufenstärke, wenn die Schwungform sehr eng ausfällt und die Kante stärker beansprucht wird.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Gewendelte Treppe, Wendelstufe, Verziehen gewendelter Treppen, Halbgewendelte Treppe, Viertelgewendelt, Lauflinie.
