Antrittpfosten — Umwehrung & Absturzschutz
Kategorie: Umwehrung & Absturzschutz
Der erste Geländerpfosten am Treppenfuß trägt mehr als nur den Handlauf — er entscheidet über Stabilität, Anbindung und den Antrittseindruck.
Definition
Der Antrittpfosten ist der erste tragende Pfosten eines Treppengeländers und sitzt am unteren Ende des Treppenlaufs, dort wo die erste Stufe — der Antritt — beginnt. Er nimmt den Handlauf auf, bildet den Auftakt der Geländerlinie und leitet alle horizontalen Kräfte aus dem Geländer in die Wange oder den Treppenkörper ab. Sein Pendant am oberen Treppenende heißt Austrittpfosten. In der Praxis spricht man auch vom Antrittspfosten — beide Schreibweisen sind üblich.
Einordnung & Relevanz
Statisch ist der Antrittpfosten das Bindeglied zwischen dem freien Handlauf und der Freiwange. Über ihn werden Druck-, Zug- und Querkräfte, die seitlich oder in Laufrichtung am Geländer auftreten, in die Treppenkonstruktion eingeleitet — er ist also kein dekoratives Bauteil, sondern Teil der Geländerstatik. Seine Position ist deshalb kein gestalterischer Zufall, sondern richtet sich nach der erforderlichen Auflagerfläche der Wange am Antritt oder Podest. Liegt eine Holzbalkendecke darunter, sollte das Wangenauflager etwa ein Viertel der Balkentiefe abdecken — der Pfosten rückt entsprechend zurück, damit Wange und Pfosten gemeinsam tragen. Bei Podesttreppen übernimmt zudem oft ein Übergangspfosten die Doppelrolle: Er dient dem unteren Lauf als Austritts- und dem anschliessenden als Antrittspfosten.
HTS-Praxis
Bei HTS fertigen wir Antrittpfosten in der Regel aus dem gleichen Holz wie Wange und Stufen — Eiche, Buche, Esche oder Ahorn — und arbeiten sie als massives Vierkantprofil oder gedrehtes Element passend zur Treppenform aus. Typische Querschnitte liegen je nach Statik und Optik zwischen 80×80 mm und 120×120 mm, bei verschlankten Designs auch 70×70 mm. Die Anbindung an die Wange lösen wir über gezapfte oder gedübelte Verbindungen, gesichert mit einer Treppenschraube (Sechskantkopf, metrisches Gewinde, ⌀ 12 mm) oder einer Kropfschraube mit kombiniertem Holz- und Metallgewinde. So sitzt der Pfosten kraftschlüssig und nimmt auch seitliche Lasten aus dem Handlauf auf, ohne am Hals zu brechen — eine typische Schwachstelle bei zu schwacher Wangenanbindung. Den Übergang zum Handlauf führen wir je nach Entwurf gerade gestoßen oder fliessend über einen Krümmling aus.
Pflege & Hinweise
Konstruktiv kritisch ist beim Antrittpfosten der Halsbereich knapp über der Wangenanbindung. Wird das Geländer dauerhaft seitlich belastet — etwa durch volle Einkaufstaschen, Kinder oder als Aufstiegshilfe — kann ein zu dünn dimensionierter oder schlecht verzapfter Pfosten dort brechen. Wir dimensionieren den Querschnitt deshalb lieber eine Stufe größer als rechnerisch nötig und kontrollieren die Zapfen- oder Dübelverbindung beim Aufmass. Geölte oder lackierte Oberflächen sollten alle paar Jahre nachgepflegt werden, weil der Pfosten am Antritt mehr Handkontakt bekommt als der Rest des Geländers.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Austrittpfosten, Krümmling, Handlauf, Freiwange (Lichtwange), Geländer, Spannschraube (Treppenbau).
