Holmtreppe — Grundriss-Variante
Kategorie: Grundriss-Variante
Aufgesattelte Holzkonstruktion: Stufen liegen auf einem oder zwei Holmen, statt zwischen Wangen eingespannt zu sein. Leicht, transparent, statisch fordernd.
Definition
Eine Holmtreppe ist eine Holztreppe, bei der die Trittstufen auf einem oder zwei Tragholmen aufliegen statt zwischen seitliche Wangen eingespannt zu sein. Synonym wird sie als aufgesattelte Treppe bezeichnet, weil die Stufen den Holm wie ein Sattel das Pferd umschließen. Die Stufen kragen seitlich und vorne über den Tragholm hinaus, Setzstufen fehlen in der Regel. Daraus entsteht das typische leichte, transparente Erscheinungsbild dieser Bauart.
Einordnung & Relevanz
In der Praxis tauchen Holmtreppen dort auf, wo Wohnräume optisch offen wirken sollen und der Blick durch die Treppe hindurch erhalten bleibt. Gegenüber einer Wangentreppe (Oberbegriff) verlagert sich die gesamte Last vom seitlichen Wangenbrett auf die Oberkante des Holms, was deutlich höhere Anforderungen an Querschnitt und Verbindungsmittel stellt. Von der Mittelholmtreppe grenzt sich die klassische Holmtreppe dadurch ab, dass dort ein einzelner zentraler Holm in Treppenmitte sitzt und meist eine bauaufsichtliche Zulassung oder einen Einzelfall-Nachweis benötigt. Übliche Varianten sind die Doppelholmtreppe mit zwei seitlich versetzten Holmen sowie versetzte Einzelholmkonstruktionen, bei denen Stufen abwechselnd nach links und rechts über den Holm hinauskragen.
Normen & Vorgaben
Für die Bemessung sind Höhe und Dicke des Holms entscheidend; die statischen Nachweise erfolgen nach DIN 1052 für Holzbau und DIN 1055 für Lasten. Mittelholmtreppen gelten als Sondertreppen und erfordern bauaufsichtliche Zulassung, Typenprüfung oder Einzelnachweis. Wo die Treppe als notwendige Treppe in einem Wohngebäude eingebaut wird, gelten zusätzlich die Maßvorgaben der DIN 18065 für Steigung, Auftritt und Geländerhöhe.
HTS-Praxis
Wir fertigen Holmtreppen aus massivem Schnittholz oder Brettschichtholz, je nach Spannweite mit Holmquerschnitten ab rund 80 mm Breite und 200 mm Höhe aufwärts. Die Stufenstärke liegt typischerweise bei 40 bis 60 mm in Eiche, Buche oder Esche, damit die freikragenden Trittflächen ohne Durchbiegung tragen. Befestigt werden die Stufen entweder über aufgeschraubte Holzkonsolen, gekröpfte Flachstahlsattel oder in Form einer Zahnwange, deren Oberkante zahnartig nach Steigung und Auftritt ausgeschnitten ist. Bei aufgedoppelten Blockstufen entfällt die separate Konsole. Sichtkanten werden gefast, geschliffen und auf Wunsch geölt oder lackiert. Die Geländerstäbe lassen sich direkt an den Stufenseiten oder über rückwärtige Stützfüße als kombiniertes Auflager-Geländer-Element anschließen.
Verwandte Begriffe: Holm, Aufgesattelte Wangentreppe, Trittstufe.
Hinweise
Weil Holm und Tragstufe sich unter Last unterschiedlich stark durchbiegen, beanspruchen sie ihre Verbindungsstellen ungleichmäßig. Lockere Schrauben oder ausgeschlagene Dübel zeigen sich später als Knarren beim Begehen. Wir setzen daher auf nachziehbare Verschraubungen, kontrollieren die Verbindungen nach der ersten Heizperiode und empfehlen, das Holz vor dem Einbau auf die Raumfeuchte zu akklimatisieren. Pflegeseitig genügt bei geölten Oberflächen ein nebelfeuchtes Wischen mit pH-neutraler Holzseife sowie das gelegentliche Nachölen stark beanspruchter Trittflächen, etwa im Bereich der Stufenmitte und der Vorderkante.
