Zweiläufige abgewinkelte Treppe (L-Treppe) — Grundriss-Variante
Kategorie: Grundriss-Variante
Zwei gerade Läufe, dazwischen ein rechtwinkliges Podest – warum diese Grundrissform in vielen Häusern die elegantere Lösung ist.
Definition
Die zweiläufige abgewinkelte Treppe, im Alltag fast immer L-Treppe genannt, setzt sich aus zwei geraden Laufabschnitten zusammen, die über ein rechtwinkliges Zwischenpodest miteinander verbunden sind. Im Grundriss zeichnet sich dadurch die namensgebende L-Form ab. Synonym wird die Konstruktion auch als gewinkelte Podesttreppe bezeichnet. Die Richtungsänderung um 90 Grad erfolgt vollständig auf dem Podest, sodass beide Läufe selbst gerade und unverzogen bleiben. Beide Abschnitte können dadurch mit identischer Stufengeometrie ausgeführt werden, was Planung und Fertigung erheblich vereinfacht.
HTS-Praxis
In der Praxis kommt die L-Treppe überall dort zum Einsatz, wo eine durchlaufend gerade Treppe zu viel Lauflänge beanspruchen würde oder die Treppe um eine tragende Innenwand, einen Schornstein oder eine Raumecke herumgeführt werden muss. Gegenüber der einläufigen geraden Treppe spart die abgewinkelte Variante spürbar Stellfläche und passt sich dem Wohnungszuschnitt natürlicher an. Soll die Wendung noch enger ausfallen, ohne ein vollwertiges Podest zu setzen, lässt sich die Ecke alternativ als viertelgewendelter Bereich mit Wendelstufen ausbilden – die Treppe wird dadurch kompakter, verliert aber an Begehkomfort. Geht der Richtungswechsel über volle 180 Grad, spricht man dagegen von einer U-Treppe. Das Zwischenpodest bietet zudem einen natürlichen Ruhepunkt und erhöht die Sicherheit beim Begehen, weil ein eventueller Sturz auf dem Podest aufgefangen wird, statt sich über die gesamte Geschosshöhe fortzusetzen.
Normen & Vorgaben
Für die Auslegung gilt im Wohnungsbau die DIN 18065: Sie regelt unter anderem das Verhältnis von Steigung zu Auftritt, Mindestmaße für die nutzbare Laufbreite, die Mindestbreite des Podestes sowie die Anforderungen an Geländer und Absturzsicherung. Als Faustregel gilt, dass das Podest mindestens eine ganze Schrittlänge zwischen den beiden Läufen aufnehmen sollte – der Auftritt auf dem Podest darf den Gehrhythmus nicht unterbrechen. Steigungs- und Auftrittmaße werden in beiden Läufen identisch geplant, damit der Tritt sicher bleibt und nicht im zweiten Lauf umgewöhnt werden muss.
HTS-Praxis
HTS fertigt L-Treppen als klassische Wangentreppe ebenso wie in moderner Bolzen- oder Holmbauweise. Üblich sind Massivholzstufen aus heimischen Hölzern wie Eiche oder Buche, je nach Wunsch geölt, gewachst oder lackiert. Das Zwischenpodest planen wir in derselben Materialität und Stärke wie die Stufen, sodass ein durchgängiges Bild entsteht. Beim Aufmaß vor Ort erfassen wir Geschosshöhe, Deckenöffnung und die genauen Wandanschlüsse millimetergenau, damit die beiden Läufe samt Podest passgenau auf die Rohbausituation abgestimmt sind. Vorgefertigt wird in unserer Werkstatt, montiert wird anschließend an einem Tag mit minimalem Schmutzeintrag. Für das Geländer kombinieren wir auf Wunsch einen Holzhandlauf mit Edelstahl- oder Glasfüllung; der Verlauf über das Podest hinweg wird durchgehend geplant, damit Handlauf und Pfostenraster optisch wie statisch sauber ineinander übergehen.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Zwischenpodest, U-Treppe (Zweiläufige Treppe), Viertelgewendelt, Einläufige gerade Treppe, Wangentreppe (Oberbegriff).
