Leimholz (Leimholzstufe) — Werkstoff im Treppenbau
Kategorie: Werkstoff im Treppenbau
Warum eine Stufe aus mehreren Lamellen langfristig formstabiler bleibt als ein einzelnes Brett – und worauf wir bei der Verleimung achten.
Definition
Eine Leimholzstufe ist eine Trittstufe, die aus mehreren in der Breite miteinander verleimten Holzlamellen aufgebaut wird. Im Sprachgebrauch tauchen auch die Begriffe Leimholzplatte oder lamellierte Massivholzstufe auf. Die einzelnen Lamellen werden so ausgesucht und gegenläufig orientiert, dass sich Spannungen im Holz gegenseitig aufheben. Das Ergebnis ist eine Stufe, die optisch wie Massivholz wirkt, sich aber im Alltag deutlich ruhiger verhält als ein einteiliges Brett.
HTS-Praxis
In der Praxis ist diese Bauweise heute der Regelfall für hochwertige Holzstufen. Massivholz arbeitet mit der Raumfeuchte – ein einzelnes breites Brett kann sich schüsseln, reißen oder werfen. Werden stattdessen mehrere schmalere Lamellen verleimt, verteilt sich die Holzbewegung, und der Verzug bleibt im erträglichen Rahmen. Damit das gelingt, soll das Holz beim Verarbeiten eine Holzfeuchte um 9 % bei einer zulässigen Schwankung von etwa 3 % aufweisen; die Lamellen werden bevorzugt mit stehenden Jahresringen eingesetzt. Verwendung finden Laubhölzer wie Eiche, Buche, Esche, Ahorn, Kirsche oder Nuss sowie geeignete Nadelhölzer.
Normen & Vorgaben
Für den Klebstoff gilt: Eine Leimholzstufe muss kurzzeitiger Feuchtigkeit widerstehen. Verlangt wird daher mindestens eine D3-Verleimung nach der Klebstoffnorm DIN EN 204. Im Treppenbau sind außerdem die Grundlagen aus DIN 1052 sowie DIN 18334 relevant, etwa wenn es um Holzfeuchte und die Werkstoffanforderungen an Trittstufen geht. Eine D4-Verleimung wählen wir dort, wo höhere Beanspruchung absehbar ist – etwa bei stark feuchteexponierten Einbausituationen.
HTS-Praxis
In unserer Werkstatt werden die Bohlen für eine Stufe zunächst in der Mitte aufgetrennt, gehobelt und passgenau wieder zusammengefügt. Dabei zeigt die rechte Holzseite nach oben, also zur Trittfläche. Zur Sicherung der Leimfugen setzen wir Kronenfugen oder Federn ein – das hält die Fuge auch dann sauber, wenn das Holz später leicht arbeitet. Die Stufendicke richtet sich nach Stützweite und Auftritt; gestemmte Treppen ohne Setzstufe sowie aufgesattelte Bauarten erhalten Trittstufen ab etwa 50 mm. Die Vorderkante wird mit einem Radius von rund 4 bis 8 mm gebrochen, damit die Kante nicht ausbricht und die Oberflächenbehandlung sauber anschließt. Bemessen werden alle Stufen so, dass die Durchbiegung unter Last höchstens 1/200 der Stützweite erreicht – das verhindert Federn und Knarren über die Lebensdauer der Treppe.
HTS-Praxis
Ganz schwindfrei ist auch eine verleimte Stufe nicht. Sichtbare Keilzinken auf der Trittfläche setzen wir bei transparenter Oberfläche nur nach Freigabe durch den Bauherrn, weil sie das Bild stören können – Kronenfugen umgehen dieses Thema elegant. Nach dem Einbau braucht die Stufe ein stabiles Raumklima; zu trockene Heizluft zieht Lamellen leicht zusammen, dauerhaft hohe Feuchte arbeitet umgekehrt. Pflegeöl oder Lack schützt die Oberfläche, ersetzt aber kein vernünftiges Wohnraumklima.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Trittstufe, Massivholzstufe, Holzfeuchte, Stufenstärke, Stufenvorderkante (Trittkante), DIN 18334.
