Lichter Stufenabstand — Bauteil der Lauffläche
Kategorie: Bauteil der Lauffläche
Lotrechter Spalt zwischen Trittfläche und Unterkante der nächsten Stufe — entscheidend bei offenen Treppen und für die Kindersicherheit im Wohnhaus.
Definition
Als lichter Stufenabstand wird das senkrechte freie Maß bezeichnet, das sich zwischen der Oberseite einer Trittstufe und der Unterkante der jeweils darüberliegenden Stufe ergibt. Synonym spricht man auch von der lichten Öffnung zwischen den Tritten oder schlicht vom Stufenspalt. Dieses Maß entsteht ausschließlich an offenen Treppen ohne durchgehende Setzstufe, also dort, wo zwischen zwei aufeinanderfolgenden Trittstufen tatsächlich eine Lücke bleibt. Es darf nicht mit der Steigung verwechselt werden, die den vertikalen Versatz von Trittfläche zu Trittfläche meint und sich auf das Stufenraster bezieht.
HTS-Praxis
In der Praxis wird der Stufenspalt vor allem dann zum Thema, wenn eine offene Treppe in einem Wohnumfeld mit Kleinkindern entsteht. Kinder versuchen gelegentlich, durch Öffnungen zu klettern, oder rutschen mit dem Kopf hindurch. Bemessen wird daher gegen eine Engstelle, durch die kein Kinderkopf passen darf. Die Stufenöffnung steht dabei nicht isoliert, sondern bildet zusammen mit Geländerhöhe, Stababstand der Geländerfüllung und der Höhe der Stufenkante über umgebenden Standflächen ein zusammenhängendes Sicherheitspaket. Der Wert ergibt sich rechnerisch aus Stufenstärke und Steigungsmaß und ist deshalb bereits in der Planungsphase verbindlich festzulegen, nicht erst auf der Baustelle, weil eine spätere Korrektur konstruktiv aufwendig wäre.
Normen & Vorgaben
Maßgeblich für Wohngebäude ist DIN 18065. Sobald die Treppe von Kindern unter vier Jahren genutzt werden kann, fordert die Norm eine klare Begrenzung der lichten Öffnung zwischen den Stufen, sodass eine Kugel mit definiertem Durchmesser nicht hindurchpasst. Praktisch bedeutet das, dass die freie Lücke gering bleiben muss; eine Orientierungsmarke von rund zwölf Zentimetern ist gängig. Bei Treppen ohne diese Nutzergruppe ist die Stufenöffnung Teil der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht, ohne dass ein fester Grenzwert greift. Anforderungen aus den Landesbauordnungen oder aus DIN 18040 (barrierefreies Bauen) können je nach Gebäudeart zusätzlich gelten und sollten früh im Entwurf abgeklärt werden.
HTS-Praxis
Wir berücksichtigen den lichten Stufenabstand bei HTS bereits beim Aufmaß und in der CAD-Planung. Wird eine offene Bauart gewünscht — etwa eine Faltwerktreppe, eine Kragarmtreppe oder eine schlanke Wangentreppe ohne Setzstufe — prüfen wir vor Freigabe, ob die geplante Stufenstärke und das Steigungsverhältnis den geforderten Spalt einhalten. Üblich sind im Wohnungsbau Massivholzstufen mit kräftiger Materialstärke, die den Abstand bereits konstruktiv reduzieren. Reicht das nicht aus, schlagen wir konkrete Lösungen vor: durchgehende Setzstufen, eine eingelassene Holzfüllung, eine Glasfüllung im Zwischenraum, ein dünnes Stahlblech oder eine Aufdopplung der Trittstufen. So bleibt die offene, leichte Optik erhalten, ohne dass die Sicherheit für junge Kinder darunter leidet. Die endgültige Maßkette dokumentieren wir verbindlich in der Werkplanung und gleichen sie nach Montage am eingebauten Werkstück ab.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Offene Treppe, Setzstufe, Kindersicherheit, DIN 18065, Stufenstärke, Trittfläche.
