Podesttreppe — Grundriss-Variante
Kategorie: Grundriss-Variante
Zwei oder mehr gerade Treppenläufe, durch ein Podest verbunden — die klassische Lösung für hohe Geschosse und eckige Grundrisse.
Definition
Eine Podesttreppe besteht aus mindestens zwei geraden Treppenläufen, die durch ein horizontal eingefügtes Podest miteinander verbunden sind. Das Podest ist dabei kein reines Verbindungsstück, sondern ein eigenständiges Bauteil mit eigener Tragkonstruktion, eigenem Auflager und eigener sichtbarer Oberfläche. Je nach Winkel zwischen den Läufen unterscheidet man drei Grundtypen: die L-Treppe mit 90-Grad-Knick, die U-Treppe mit gegenläufigen Läufen und 180-Grad-Umkehr sowie die gerade Podesttreppe, bei der beide Läufe fluchtend hintereinander angeordnet sind. Alle drei sind Podesttreppen — was sie eint, ist das vollflächige, begehbare Zwischenbauteil, das die Läufe trennt.
Normen & Vorgaben
Die Podesttreppe ist immer dann die konstruktiv saubere Wahl, wenn eine Geschosshöhe einen einzigen durchgehenden Treppenlauf zu lang werden ließe. DIN 18065 begrenzt bei notwendigen Treppen in Wohngebäuden die Stufenanzahl pro Lauf auf 18 aufeinanderfolgende Stufen; ein Zwischenpodest wird damit zum normativen Pflichtbauteil, sobald diese Grenze überschritten wird. In der Praxis betrifft das vor allem Altbauten mit Raumhöhen über 2,80 m sowie Neubauten mit offenen Wohnlandschaften, bei denen Erdgeschoss und Obergeschoss über eine repräsentative Treppe verbunden werden. Darüber hinaus ist die Podesttreppe bei L- oder U-förmigen Treppenräumen oft die einzige geometrisch sinnvolle Lösung, weil das Podest die Richtungsänderung sauber aufnimmt, ohne zusätzliche Fläche zu verbrauchen.
Die Mindesttiefe des Podests in Gehrichtung entspricht nach DIN 18065 der nutzbaren Laufbreite der anliegenden Läufe. Für barrierefreie Ausführungen schreibt DIN 18040 eine Podesttiefe von mindestens 150 cm vor, damit Rollstuhlnutzer auf dem Podest wenden können. Diese Maße sind gesetzliche Untergrenzen; großzügigere Podestmaße verbessern den Wohnkomfort spürbar, besonders wenn Möbel oder Geräte über die Treppe transportiert werden müssen.
Bei HTS planen wir Podesttreppen als Gesamtsystem: Beide Läufe und das Podest werden im gleichen Holz, mit identischem Querschnitt der Trittstufen und derselben Oberflächenbehandlung gefertigt, sodass die Treppe trotz ihrer Unterbrechung optisch zusammengehört. Die Podest-Tragkonstruktion aus Massivholzwangen wird in der Werkstatt vorgefertigt und auf der Baustelle mit den Wand- oder Deckenauflagern verschraubt. An allen offenen Podest-Kanten, die eine Absturzkante bilden, werden passende Geländerelemente integriert und an das Handlaufsystem des jeweiligen Laufs angeschlossen. In der Werkstatt-Vorfertigung koordinieren wir Wangen-Anschlüsse und Podest-Stirnseiten so, dass auf der Baustelle keine nachträglichen Zuschnitte nötig sind — das spart Montagezeit und hält die Oberflächen sauber.
HTS-Praxis
Vom Raumeindruck her erzeugt die Podesttreppe bewusst Rhythmus: Man steigt einen Lauf, hält inne, wendet und steigt weiter. Das ist physisch entlastend und gibt dem Treppenhaus Struktur. Wer eine fließende, durchgehende Aufwärtsbewegung bevorzugt, wählt eine Wendeltreppe oder eine gewendelte Variante; wer Klarheit, Robustheit und eine klassische Treppenhaus-Atmosphäre schätzt, findet in der Podesttreppe eine langlebige Lösung ohne geometrische Kompromisse.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Podest, Zwischenpodest, Geschosshöhe, Wendeltreppe, Harfentreppe, U-Treppe (Zweiläufige Treppe).
