Sondertreppen — Fachsprache im Detail
Kategorie: Fachsprache im Detail
Bolzentreppen, Faltwerk, Spindel oder Kragarm: Sondertreppen brauchen eigene Statik und Zulassung — wir bauen sie auf Maß und ohne Standardschema.
Definition
Sondertreppen sind Holztreppen, deren Konstruktion bewusst von den klassischen Wangen-, Sattel- oder abgehängten Bauweisen abweicht. Synonym werden sie auch als konstruktiv abweichende Treppen oder Sonderbauformen bezeichnet. Zu dieser Gruppe zählen Tragbolzentreppen, Faltwerktreppen, Spindeltreppen, Wendeltreppen mit offener Mitte, Flachwangentreppen, Kragarmtreppen sowie Raumspartreppen. Gemeinsam ist ihnen, dass die Stufenhalterung und der Lastabtrag eigenständige Lösungen erfordern, die nicht in das traditionelle Schema einer Wangentreppe passen. Damit sind Sondertreppen weniger eine einzelne Bauform als eine Sammelkategorie für alle Treppen, die ihre eigene statische Antwort mitbringen müssen.
Einordnung & Relevanz
Im Treppenbau wird zwischen vier konstruktiven Hauptgruppen unterschieden: Wangentreppen, Satteltreppen, abgehängte Treppen und eben Sondertreppen. Letztere kommen zum Einsatz, wenn enge Grundrisse, große Treppenaugen, schwebende Optik oder skulpturale Gestaltung im Vordergrund stehen. Eine Tragbolzentreppe wirkt durch die seitlich in der Wand verankerten Bolzen sehr leicht und gibt den Blick unter der Treppe frei. Eine Faltwerktreppe setzt durch die durchgehende Zickzack-Form aus Tritt- und Setzstufen einen starken architektonischen Akzent. Spindel- und Wendeltreppen sparen Grundfläche, Raumspartreppen mit Wechselstufen lösen extreme Höhen auf kleinster Basis. Die Abgrenzung zur klassischen gewendelten Treppe liegt in der Stufenhalterung, nicht in der Grundrissform: Eine viertelgewendelte Wangentreppe bleibt eine Wangentreppe, eine Wendeltreppe mit Spindel ist eine Sondertreppe.
Normen & Vorgaben
Da Sondertreppen von den traditionellen Konstruktionen abweichen, sind eigene statische Nachweise und besondere Zulassungen verpflichtend. In der Regel braucht jede dieser Bauformen entweder eine bauaufsichtliche Zulassung oder eine Europäische Technische Bewertung, die das Tragverhalten der nicht genormten Verbindungen nachweist. Maßtoleranzen, Holzfeuchte und Stufenausbildung folgen weiterhin den allgemeinen Vorgaben aus DIN 18065 und DIN 18334; an den Trittstufen darf das Istmaß der Steigung und des Auftritts nicht mehr als fünf Millimeter vom Nennmaß abweichen. Der Feuchtigkeitsgehalt aller Holzbauteile soll bei der Verarbeitung neun Prozent mit drei Prozent Toleranz betragen.
Pflege & Hinweise
Wir fertigen Sondertreppen ausschließlich nach individueller Bemessung und mit den passenden Zulassungen. Für Tragbolzen-Konstruktionen kommen schwere Laubhölzer wie Eiche, Buche oder Esche zum Einsatz; die Hülsen in der Massivwand werden schalldämmend ummantelt, damit der Trittschall nicht in das Mauerwerk wandert. Bei Faltwerktreppen verwenden wir Multiplexplatten mit dickem Vollholzfurnier, da diese Verbundkonstruktion die Faltlinien sauber tragen kann; auf Wunsch lagern wir die Faltkonstruktion zusätzlich auf einem mittigen Tragholm. Spindel- und Wendelvarianten planen wir mit definierter Drehung pro Stufe, präzisem Treppenauge und eingestemmtem Handlauf. Jede Sondertreppe entsteht zunächst als digitaler Aufriss, wird statisch dimensioniert und in der Werkstatt vorgefertigt, bevor wir sie vor Ort montieren. Die Oberfläche behandeln wir je nach Wunsch geölt, gebürstet oder klar lackiert, damit die gewählte Holzart ihren Charakter behält.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Bolzentreppe, Faltwerktreppe, Spindeltreppe, Wendeltreppe mit Treppenauge, Raumspartreppe, Kragarmtreppe (Kragstufentreppe).
