Furnier — Fachsprache im Detail
Kategorie: Fachsprache im Detail
Wann sich furniertes Schichtholz im Treppenbau auszahlt, wo die Technik bei Krümmlingen ihre Stärken zeigt und wo Massivholz klar im Vorteil ist.
Definition
Furnier ist ein dünnes Holzblatt mit einer Stärke von 0,3 bis 6 Millimeter, das auf einen Trägerwerkstoff wie Sperrholz, Multiplex oder MDF aufgeleimt wird. Die Deckschicht trägt das sichtbare Holzbild der gewählten Holzart, während der Unterbau aus weniger edlem Material besteht. Synonym hört man Furnierblatt oder furnierte Schichtplatte; im Treppenbau ist meist eine furnierte Stufe oder ein furnierverleimter Krümmling gemeint, sobald ein Bauteil nicht durchgehend aus dem Vollholz gearbeitet wird.
Pflege & Hinweise
Im Vergleich zur Vollholzstufe spart eine furnierte Ausführung Material und damit Kosten, ohne auf die optische Wirkung echten Holzes zu verzichten. Bedeutsam wird die Technik überall dort, wo Bauteile großflächig formstabil bleiben sollen oder wo enge Radien gefragt sind, die aus dem vollen Brett nur schwer zu fertigen wären. Aus mehreren übereinander verleimten Furnierlagen lassen sich tragfähige, gekrümmte Werkstücke aufbauen, die sich auf den gewünschten Radius einstellen lassen und kaum schwinden. Davon abzugrenzen sind dekorative Aufdopplungen oder Renovierungsbeläge, die nur als sichtbare Schicht über bestehende Treppen geklebt werden, ohne tragende Funktion zu übernehmen. Wer eine Treppe mit echter Holzstärke und langer Renovierfähigkeit sucht, ist mit einer Massivholzstufe besser bedient.
HTS-Praxis
Bei HTS kommt Furnier vor allem dann zum Einsatz, wenn gebogene Bauteile gefragt sind. Schichtverleimte Krümmlinge an halbgewendelten Treppen entstehen, indem wir mehrere Furnierlagen über einen Innenkern aus Holz oder Stahlrohr verleimen, bis die Gesamtdicke der späteren Wangenstärke entspricht. Anschließend hobeln wir die beiden längs verlaufenden Auflagerflächen aus und arbeiten Anriss, Steigung und Schweifung wie bei einem Vollholz-Krümmling heraus. Auch gekrümmte Wangen bauen wir auf einer raumhohen Vorrichtung Schicht für Schicht aus Furnieren oder Sperrholz auf, verleimt mit Zwingen, in einer Rundpresse oder im Vakuumsack. Statisch lässt sich ein furnierverleimter Krümmling sogar höher belasten als ein aus dem vollen Holz gefertigter, weil sich die Faserrichtung über die Schichten wechselseitig stützt. Für die Trittstufen einer Wohnraumtreppe setzen wir aber in aller Regel auf Massivholz oder Leimholz, weil sich diese im Lauf der Jahre mehrfach abschleifen und neu ölen lassen.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe: Krümmling, Wangen, Leimholz (Leimholzstufe), Massivholzstufe, Renovierungsstufe.
Pflege & Hinweise
Die größte Schwäche einer furnierten Oberfläche ist die geringe Schichtdicke: Tiefe Kratzer, Druckstellen oder durchgelaufene Auftrittflächen lassen sich nicht ein zweites Mal abschleifen, ohne den Trägerwerkstoff freizulegen. Auf stark begangenen Wohntreppen wirkt sich das schnell aus, weshalb Furnier in der eigentlichen Trittfläche nur eingeschränkt sinnvoll ist. Hinzu kommt: Schichtverleimte gebogene Bauteile sind weder vollständig schwind- noch verzugsfrei, der Durchmesser kann sich bei wechselnder Holzfeuchte minimal verändern oder leicht windschief werden. Bei sauberer Verleimung, kontrollierter Raumluft und einer ausreichend dicken Furnierauflage bleibt dieser Effekt jedoch klein.
